Filmvorführung "Das Kinderheim in der Auguststraße"

Am 9. und 10. Mai 2012 wurde im Rahmen der Gesamtaktion Stolpersteine der Film "Das Kinderheim in der Auguststraße" (2007) von Ayelet Bargur im Luna-Filmtheater in Ludwigslust gezeigt. Der Film behandelt das Schicksal und die Rettung von Kindern des jüdischen Kinderheims „Beit Ahawah“ (Haus der Liebe) in der Auguststraße 14/16 in Berlin-Mitte und deren Leiterin Beate Berger. Beate Berger erkannte früh, dass die Kinder in Deutschland keine Perspektive mehr haben, und sie begann bereits 1934, Kinder nach Haifa zu bringen. Von 1934 bis 1939 wurden so etwa einhundert jüdische Kinder in fünf Gruppen vor der Deportation gerettet. Nach dem plötzlichen Tod von Beate Berger wurden die in Berlin verbliebenen Kinder in das KZ Auschwitz deportiert, wo keines überlebte. Beate Berger rettete auch Kinder, die nicht in dem Kinderheim waren. Insgesamt konnte sie dreihundert Kinder aus Europa nach Haifa bringen, wovon 100 aus Deutschland, 75 aus Österreich, 15 aus Italien und 100 aus Polen, Tschechien und Ungarn kamen. Verschiedene frühere Berliner Ahawa-Kinder berichten im Film über Beate Berger und ihr eigenes Leben in Berlin und Palästina. Der von Ayelet Bargur gedrehte Dokumentarfilm entstand 2007 als Koproduktion des RBB, MDR und des Israelischen Fernsehens. 2008 erhielt der Film den „Prix Circom regional“.
Eingeladen waren in erster Linie alle am Projekt Stolpersteine teilnehmenden Bürger/-innen und Schüler/innen der Projektgruppen der Edith-Stein-Schule, der Regionalschule und des Goethe-Gymnasiums. Grundsätzlich war die Vorführung aber allen interessierten Besucher/innen offen und wurde auch öffentlich beworben. Besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war die Teilnahme der aus Israel angereisten Regisseurin Ayelet Bargur, die im Anschluss an die Vorführung zur Diskussion zur Verfügung stand. Die Moderation des Forums übernahm die Judaistin Rachel de Boor.
Der große Saal im Filmtheater hat 70 Sitzplätze. Daher wurden von vornherein drei Vorführungen geplant. Eine am Abend des 9. Mai und zwei weitere tagsüber am 10. Mai. Dennoch reichten die Sitzplätze bei zwei Vorführungen nicht aus und es mussten noch weitere Stühle hineingestellt werden.
Der Film wurden von den Ludwigsluster/innen mit großem Interesse aufgenommen. Dies bezeugte die anregende Diskussion nach dem Film und die lange Verweildauer beim anschließenden Empfang im Foyer des Kinos, während dem Ayelet Bargur noch für informelle Gespräche zur Verfügung stand. Viele Gäste sind noch geblieben und haben die Gelegenheit genutzt, über den Film zu sprechen, noch ausstehende Fragen zu klären, aber auch um in kleineren Einzelgesprächen, die entstandenen Eindrücke auszutauschen.
Frauen werden in der Erinnerungskultur zu Nationalsozialismus häufig vergessen. Gerade Widerstand wird immer wieder nur männlich gedacht. Die Dokumentation leistet daher eine Beitrag zur Erinnerung von widerständischen Aktivitäten von Frauen. Die Präsenz der Regisseurin und auch der Judaistin konnten vor allem Mädchen und jungen Frauen als Vorbild dienen.

Schweriner Volkszeitung:

15. Mai 2012 I (PDF-Dokument, 100.1 KB)

15. Mai 2012 II (PDF-Dokument, 65.1 KB)

15. Mai 2012 III (PDF-Dokument, 225.5 KB)

Stadtanzeiger Ludwigslust:

20. April 2012 (PDF-Dokument, 582.7 KB)